Malerische Dörfer, grüne Landschaften, idyllische Weinberge – das sind nur einige Bilder, die unser Kopf zeichnet, wenn wir an das traditionelle Italien denken. Vor allem jedoch denken wir an die vielfältige mediterrane Küche, die den sommerlichen Abend mit gutem Wein und aromatischen Snacks zum genussvollen Kurzurlaub verwandelt.

Insbesondere der Exportschlager Olivenöl gilt in Deutschland als grünes Elixir, das ebenso für langes Leben steht, wie für unbeschwerten Genuss. Wenn Du den Primal State Blog schon etwas länger verfolgst, weißt Du jedoch, dass viele der Lebensmittel, die wir im Volksmund unkritisch als „gesund“ bezeichnen, in Wirklichkeit Wölfe im Schafspelz sind.

Ist es beim Olivenöl anders? In diesem Artikel erfährst Du, wie gesund Olivenöl wirklich ist. Und Du erfährst, warum die italienische Mafia seit jeher ihre Finger im weltweiten Olivenöl-Geschäft im Spiel hat und sich krimireife Kopf-an-Kopf-Rennen mit internationalen Fahndungsbehörden liefert.

Doch beginnen wir von vorn:

Olivenöl hilft bei Diabetes, Übergewicht und Herzerkrankungen

Immer mehr Studien weisen darauf hin, dass die Vitalität und Langlebigkeit der mediterranen Völker mehr als eine bloße Vermutung ist. Die mediterrane Ernährung beinhaltet viele Lebensmittel, deren Inhaltsstoffe eine positive Wirkung auf den Körper haben.

Zu diesen Stoffen zählen auch Polyphenole.

Polyphenole sind sekundäre Pflanzenstoffe, die u.a. die Farbe und den Geschmack von pflanzlichen Lebensmitteln beeinflussen. Mittlerweile konnte in verschiedenen Untersuchungen gezeigt werden, dass Polyphenole Gene unterdrücken, die für die Entstehung von Entzündungen im Körper mitverantwortlich sind.

Die Entzündungsgene, welche die Polyphenole im Olivenöl unterdrücken, sind u.a. beim Metabolischen Syndrom aktiv. Selbst wenn Du von diesem Syndrom noch nichts gehört hast, kennst Du die Krankheiten, über die es sich bemerkbar macht:

Diabetes, Übergewicht und erhöhtes Cholesterin. Indirekt verursacht es sogar schwerwiegende gesundheitliche Konditionen wie Artereosklerose oder Schlaganfälle. Du kannst Dir bestimmt schon denken, warum ich soviel über Polyphenole geschrieben habe:

Olivenöl strotzt nur so vor diesem gesunden Pflanzenfarbstoff.

Wenn es um die Dichte an Polyphenolen geht, wirst Du unter allen erdenklichen Nahrungsmitteln kaum eines finden, dass es mit hochwertigem Olivenöl aufnehmen kann. Doch das ist noch nicht alles:

Olivenöl schützt vor oxidativem Stress

Mittlerweile wird oxidativer Stress mit vielen gesundheitlichen Problemen in Zusammenhang gebracht und beschleunigt die Alterung.

Oxidativer Stress entsteht im Körper, wenn hochreaktive Moleküle, sog. freie Radikale, Molekülen in ihrer Umgebung Elektronen stehlen. Dadurch sorgen diese Elektronendiebe für schädliche Kettenreaktionen, bei denen Zellen funktionsunfähig gemacht werden oder wichtige Enzyme deaktiviert werden.

Womöglich hast Du schon einmal gelesen, dass Antioxidantien gesund sind? Das liegt daran, dass Antioxidantien im Körper als Schutzschilde fungieren, die den freien Radikalen eines ihrer Elektronen abgeben und sie dadurch unschädlich machen.

Olivenöl ist auch deswegen gesund, weil es viele Antioxidantien enthält.

In einer Studie mit 80 Laborraten konnte der Wissenschaftler Mohamed Hammami von der Universität Monastir in Tunesien zeigen, dass Olivenöl einen signifikanten Einfluss auf die Aktivität der antioxidativen Enzyme im Körper hat. Jene Ratten, die im Vergleich zur Testgruppe täglich mit konzentriertem Olivenöl gefüttert wurden, zeigten signifikant weniger oxidativen Stress auf. 

Vorsicht: Auf die Qualität kommt es an!

Wenn Du Dir die verschiedenen Olivenöle im Supermarkt schon einmal genauer angeschaut hast, weißt Du, dass es auf den Etiketten 3 verschiedene Klassifizierungen gibt:

1.) Natives Olivenöl Extra

Als “natives Olivenöl Extra” wird Olivenöl bezeichnet, das aus Oliven im optimalen Reifestadium gewonnen wurde. Dieses Öl hat einen intensiven, dunklen Farbton und beinhaltet die größte Anzahl an Nährstoffen.

2.) Natives Olivenöl

Als “natives Olivenöl” bezeichnet man Öl, dass von nicht mehr ganz frischen Oliven gewonnen wurde und mit einem kostengünstigeren Verfahren hergestellt wird. Diese Form des Öls enthält weniger Polyphenole, stattdessen aber einen höheren Anteil an potentiell gesundheitsschädlichen freien Fettsäuren.

3.) Olivenöl

Das minderwertigste Olivenöl wird lediglich “Olivenöl” genannt. Es besteht aus verdorbenen oder vom Boden gesammelten Oliven. In seiner Reinform wäre dieses Öl übel riechend und nahezu ungenießbar. Deswegen wird es häufig mit geringen Mengen von nativem Olivenöl oder sogar anderen Pflanzenölen vermengt.

Die Unterschiede in Qualität und Wirkung zwischen diesen drei Arten des Olivenöls sind so groß, dass eigentlich nur das Native Olivenöl Extra zu empfehlen ist.

Doch Vorsicht: Selbst wenn Du Dich gleich in Richtung Küche aufmachst und feststellst, dass Du „Natives Olivenöl Extra“ benutzt, gibt es ein Problem.

Das kriminelle Geschäft mit gepanschtem Olivenöl

Im Jahr 2004 haben der Stern und das ZDF gemeinsam mit namhaften Fachzeitschriften aus der Branche 31 verschiedene Olivenöle auf die Qualität hin getestet. Das Ergebnis war fatal:

Von 31 Olivenölen besaß nur 1 Öl tatsächlich die Qualität, die auf dem Etikett ausgewiesen war. 

Als sie das Ergebnis zum ersten mal sahen, waren die Reporter mehr als irritiert. Natürlich gingen sie der Sache auf den Grund – und stießen versehentlich auf ein riesiges Hornissennest.

Seit jeher ist Italien der größte Spieler im weltweiten Geschäft mit dem Olivenöl. Mehr als 50% des grünen Öls werden dort umgeschlagen und in den Rest der Welt verschifft. Das Geschäft ist lukrativ. Über 10 Millarden Euro werden jährlich in Form von Olivenöl umgesetzt.

Natürlich ist dies der italienischen Mafia nicht entgangen. Sie ist schon vor langer Zeit in das Geschäft mit dem Olivenöl eingestiegen und kontrolliert mittlerweile fast den gesamten italienischen Olivenöl Handel. Um größtmöglichen Reibach zu machen, haben sich die korrupten Olivenölhändler einen perfiden Trick überlegt:

Minderwertiges Olivenöl wird flächendeckend mit anderen Ölen wie Sonnenblumenöl gepanscht.

Es wird mit Geschmacksstoffen vermengt und dann als „Natives Olivenöl Extra“, also das hochwertigste der Öle etikettiert. Mit anderen Worten bedeutet das, dass auch das Öl, dass bei Dir in der Küche steht, mit hoher Wahrscheinlichkeit gepanschte Ware ist.

Wie Du sicherstellst, dass Du hochwertiges Olivenöl konsumierst

Glaub mir, Du kannst Dir meinen Gesichtsausdruck nicht vorstellen, als ich zum ersten Mal „richtiges“ Olivenöl probiert habe:

Tiefgrüne Farbe. Ein Geruch, als würde ich im Hochsommer über einen italienischen Olivenhain spazieren. Eine wahre Geschmacksexplosion!

Erst an diesem Moment wurde mir so richtig klar, wie groß der Unterschied zwischen hochwertigem und minderwertigem Öl sein kann. Wo bekommst Du also wirklich hochwertiges Olivenöl?

In jedem gut aufgestellten Bioladen – und im Internet.

Bestenfalls informierst Du Dich vor Ort kurz auf Dem Smartphone, ob das Olivenöl, das Du kaufen möchtest, das ist, was es auch verspricht.

Ich selbst kaufe im Bioladen gerne große 3-Liter Behälter mit Olivenöl aus Kreta. Öl, das nicht aus Italien stammt, ist mit höherer Wahrscheinlichkeit echt und im 3-Liter Behälter sparst Du bei hoher Qualität preis- leistungstechnisch sogar noch Geld.

Oh, und was die große Menge betrifft: Keine Sorge!

Olivenöl kann man in der Küche immer gebrauchen – und es bleibt sehr lange haltbar.

 

Einzelnachweise:

Effects of olive oil and its fractions on oxidative stress and the liver’s fatty acid composition in 2,4-Dichlorophenoxyacetic acid-treated rats

Primary Prevention of Cardiovascular Disease with a Mediterranean Diet

Panschereien, Skandale und die Mafia