Wichtiger Hinweis!

Dieser Artikel hat eine länge von 3500 Wörtern. Falls Du nur die 11 modernen Darmflora Killer erfahren möchtest, solltest Du jetzt herunter scrollen. Wenn Du allerdings genau wissen möchtest wie Dein Darm funktioniert, lies diesen Artikel komplett durch.

Los geht’s

Der Darm ist ein umwerfendes Organ – im wahrsten Sinne des Wortes. Er hat – gemessen am sonst eher kleinen Menschen – gigantische Ausmaße, wenn man ihn mal näher betrachtet: ca 8m lang, eine Gesamtoberfläche von einem halben Fußballfeld, eine Bevölkerung von Billionen Bakterien und Pilzen (mehr Mikroorganismen als menschliche Zellen, und das konzentriert auf nur 1,5m Dickdarm), und ist das Tor zu unserem Körper.

Die Verbindung zwischen der Außenwelt und unserem Körperinneren. Denn auch wenn der Darm zwar eigentlich in uns sitzt, so wird er dennoch vom Körper als „Außen“ angesehen – denn alles, was wir essen und trinken, gelangt zuerst in den Darm, der mit all seinen Immunzellen (80% des Immunsystems sitzt im Darm) erstmal als Türsteher fungiert und nur rein lässt, was er für o.k. und nicht schädlich erachtet.

Alleine schon an den Fakten gemessen ist er das zentrale Organ für die Gesundheit. Aber der Darm ist auch ein Sensibelchen: Er reagiert sehr empfindlich darauf, wie wir ihn behandeln, und kann uns so entweder als treuer und unterstützender Freund von innen heraus heilen, oder uns aber langsam aber sicher … nicht zerstören, eher sabotieren und „krank machen“.

Wie genau das funktioniert, was der Darm noch so alles kann, und wie Du ihn zu Deinem Freund und Helfer machen kannst, erfährst Du heute in diesem ausführlichen Artikel. Wir empfehlen Dir, die Zeit zu nehmen und ihn in Ruhe zu lesen. Er kann Dein Leben verändern.

Welche Aufgaben hat der Darm?

Der Darm ist also der Türsteher, der Nährstoffe rein lässt, während Giftstoffe und störende Mikroorganismen draußen bleiben müssen. Dieser Satz fasst die drei Hauptfunktionen des Darms zusammen:

  • Nährstoffaufnahme
  • Barriere gegen Bakterien, Pilze und anderes mikroskopisches Krabbelgetier
  • Immunüberwachung

Zur Immunüberwachung kommen wir gleich noch ausführlicher 🙂

Wie ist der Darm aufgebaut?

Wenn wir hier von Darm reden, meinen wir alles zwischen Zwölffingerdarm und After. Die Verdauung beginnt aber eigentlich im Mund – Einspeicheln, Zerkleinern, erste Verdauungsenzyme.

Von da an gelangt die Nahrung in den Magen. Dieser ist fast so sauer wie eine Autobatterie und zerstört durch die Salzsäure alles, was irgendwie am Leben ist – theoretisch.

Ein paar wenige Prozent der in der Nahrung enthaltenen Mikroorganismen überstehen die Magenpassage und gelangen zusammen mit dem nun angesäuerten Nahrungsbrei über den Zwölffingerdarm, wo die Sekrete aus der Galle (Fettverdauung) und der Bauchspeicheldrüse (Kohlenhydrat- und Proteinabbau) mit dazu stoßen, in den Dünndarm.

Im Dünndarm, der ca. 6-7m lang ist, werden die meisten Nährstoffe aufgenommen. Der Dünndarm ist eher dünn mit Bakterien besiedelt, was gut ist, damit es der Körper leichter mit der Essensverwertung hat.

Im Dickdarm werden dann noch Wasser und Salze aus dem Nahrungsbrei entfernt.

Was übrig bleibt, ist ein zähflüssiger, faseriger Matsch, der den zahlreichen Mikroorganismen im Dickdarm als Nahrungsgrundlage dient – Ballaststoffe und andere für uns nicht verwertbare Nahrungsbestandteile.  Und am Ende geht’s aufs Töpfchen.

Warum ist der Darm so wichtig?

Wenn der Darm nicht mehr richtig funktioniert, passiert, je nachdem wie schwer der Schaden ist, folgendes:

  • Nahrung kann nicht mehr richtig verwertet werden, weder Energiestoffe noch lebenswichtige Nährstoffe. Der Körper verhungert quasi trotz reichhaltigem Nahrungsangebot
  • Mikroorganismen und unverdaute Nahrungsbestandteile wie Proteine tun das, was sie eigentlich nicht sollen: sie gelangen in den Blutkreislauf und von dort in den Rest des Körpers. Die Folgen sind Blutvergiftungen, anaphylaktische Schocks, und – in der glimpflichen Version – chronische Entzündungen und Allergien.
  • Das Immunsystem ist heillos überfordert und gibt entweder ganz auf oder schießt auf alles, was sich bewegt, und unterscheidet nicht zwischen fremden oder eigenen Zellen: eine Autoimmunerkrankung ist geboren.

Ok ok, so weit darf es nicht kommen. Muss es auch nicht. Wenn Du Dich ein wenig sorgsam um Deinen Körper kümmerst, kümmert er sich auch um Dich. Dann muss es nicht erst zu diesem Worst-Case-Szenario kommen.

Der Darm im Querschnitt – ein Rohr, das es in sich hat!

Bevor wir uns also damit beschäftigen, was dem Darm schadet und was ihm nützt, ist es mir noch wichtig, zu erklären, warum im Darm alles so ist, wie es ist. Damit ich Dir gleich nicht irgendwelche Begriffe an den Kopf werfe und erwarte, dass Du mir glaubst. Dazu betrachten wir den Darm (der Einfachheit halber keine Unterscheidung zwischen Dünndarm und Dickdarm) mal im Querschnitt:

Intestinal Lumen

Abb. 1: Der Darm im Querschnitt, aus Veldhoen and Brucklacher-Waldert, 2012

Was sehen wir? Ich fasse kurz zusammen:

Epithelschicht

Zwischen dem Darminneren – dem Darmlumen – und dem Körper (Blut, Lymphe, Gewebe) liegt nur eine einzige Zellschicht, die Epithelschicht. Eine Schicht, die nur wenige tausendstel Millimeter dick ist, entscheidet also über alles.

Diese Zellschicht muss gesund und intakt sein. Tatsächlich sind diese Zellen ständig im Kreuzfeuer zwischen Immunsystem und Darmlumen und sollen gleichzeitig Nährstoffe aufnehmen. Ein echter Knochenjob. Daher leben diese Zellen auch nur ca. 4 Tage und müssen danach sofort ersetzt werden, damit kein Loch in der Epithelschicht entsteht [2].

Mucus

Um die Epithelzellen zu unterstützen, ist noch eine Isolationsschicht zwischen ihnen und dem Darmlumen – ein mit antibakteriellen Stoffen (Defensine) gespickter Schleim, der Mucus genannt wird. Eine funktionelle Mucusschicht ist also auch wichtig, damit die Epithelzellen nicht überfordert sind.

Antikörper

Antikörper sind die Allzweckwaffen des Immunsystems, die in der Mucusschicht vorkommende Klasse – IgA, sehen im Bild aus wie Knochen – verklumpt Bakterien einfach, die dann sterben. Antikörper sind, ebenfalls wie die Defensine, Proteine.

M-Zellen

Damit das Immunsystem weiß, was gerade im Darmlumen so los ist, werden hin und wieder einzelne Bakterien von den M-Zellen durch das Epithel gelassen und sofort von Immunzellen gefressen. Diese verdauen die Bakterien und zeigen die verdauten Schnipsel den umliegenden Immunzellen.

Dieser Schritt ist wichtig, um im Überblick zu behalten, ob gerade eine günstige oder schädliche Darmflora vorherrscht. Ist sie gerade schädlich, etwa aufgrund einer Infektion, reagiert der Körper sofort mit einer Abstoßungsreaktion, die zu einem ekelhaften, aber manchmal notwendigen, Durchfall führt.

Immunzellen

Es müssen immer genug reife Immunzellen am und im Darm da sein. Falls die Bakterien nämlich mal wortwörtlich durch die Mauer brechen, muss der Körper sofort verteidigt werden. Dazu sind Immunzellen schließlich da. Genug Immunzellen müssen also da sein.

Diese Immunzellen müssen ein instabiles Gleichgewicht aufrecht erhalten: sind sie zu stark aktiv, spricht man von einer Entzündung. Schlecht. Sind sie zu inaktiv, können unbemerkt Krankheitserreger in den Körper eindringen. Auch schlecht.

Nachdem die Grundlagen geklärt sind und Du hiermit Dein erstes Modul in Zellbiologie erfolgreich und mit Bravour bestanden hast, kommen wir nun zu Deinen Mitbewohnern im Darm, und warum diese so wichtig für die Gesundheit sind.

Warum eine intakte Darmflora so immens wichtig ist

Diese kleinen einzelligen Tierchen im Darm (99% davon im Dickdarm) beeinflussen Deine Gesundheit in einem Ausmaß und sind unseren eigenen Körperzellen zahlenmäßig so überlegen, dass man eigentlich von einem bakteriellen Superorganismus mit ein paar menschlichen Zellen sprechen kann. Aber was sind ihre Wirkungen auf den Körper?

Mäusestudie – Sind Darmbakterien für Fettleibigkeit verantwortlich?

Gibt man Mäusen, welche keimfrei aufgewachsen sind (also keine Darmflora besitzen) Bakterien aus schlanken Mäusen, bleiben sie schlank. Was passiert aber, wenn man ihnen Bakterien aus dicken Mäusen gibt? Richtig – sie werden auch dick. Das als erster Hinweis dafür, dass unsere Mitbewohner enormen Einfluss auf Übergewicht haben können.

Woher kommt das? U.a. daher: Je nachdem, wie viel zusätzliche Energie sie aus Ballaststoffen gewinnt und an den Körper abgibt, kann sie so zu Übergewicht beitragen [11][19].

Jedoch ist das nicht kritisch zu sehen, denn was sie an den Körper abgibt, sind kurzkettige Fettsäuren wie z.B. Butyrat, welche im Körper gesunde Auswirkungen haben.

Hormonproduktion durch Darmbakterien

Darmbakterien produzieren Hormone wie Serotonin und GABA, beides stimmungsaufhellendee und beruhigendee Hormone [8].

Vitaminproduktion durch Darmbakterien

Darmbakterien produzieren Vitamine wie z.B. Vitamine der B- und K-Gruppe, welche sie an den Körper in geringen Mengen abgeben [10].

Sättigung durch das richtige Mikrobiom

Darmbakterien sind am Leptin-Stoffwechsel beteiligt. Das ist das Sättigungshormon, das uns entweder immer weiter essen lassen will (zu wenig Leptin) oder uns ein natürliches und gutes Sättigungsgefühl gibt (genug Leptin). Heißhunger kommt also teilweise auch aus dem Darm. Nämlich, wenn Deine Darmbakterien was zu Knabbern wollen.

Der Darm hat Auswirkungen auf Deine Stimmung

Im Darm sitzen etwa 100 Millionen Nervenzellen, die ebenfalls Auswirkungen auf die Stimmung und das Hungergefühl haben. Am sprichwörtlichen Bauchgefühl ist also wirklich etwas dran. Diese Nervenzellen interagieren dabei mit der Darmflora.

Gute Darmbakterien schützen vor Krankheiten

Gute Darmbakterien füllen eine Nische aus, die von schädlichen Bakterien besiedelt werden könnte. Und Deine Darmbakterien verteidigen ihren Lebensraum um jeden Preis. Daher ist es mittlerweile üblich, bei einer lebensbedrohlichen Infektion mit Clostridium difficile eine Transplantation von gesunden Darmbakterien zu erhalten. Diese verteidigen ihren Lebensraum und beseitigen damit die Infektion [14].

Chronische Entzündungen durch Darmbakterien

Darmbakterien können, wenn es ihnen gut geht, unsere Gesundheit also maßgeblich verbessern. Oder aber, wenn es ihnen nicht gut geht, uns von innen heraus sabotieren, wie z.B. durch chronische Entzündungen (z.B. Reizdarm).

Was schadet dem Darm?

Ich möchte Dir nun, nach all den Grundlagen und Vorgeplänkel, die Quintessenz mit an die Hand geben: Es folgt eine Auflistung von 10 in der westlichen Ernährung häufig konsumierten, aber für den Darm schädlichen Nahrungsmitteln und Stoffen:

1. Gluten

Gluten ist das Speicherprotein des Weizenkeimlings. Dieses Protein ist für den Keimling gedacht, zum Wachsen. Damit der Keimling nicht ständig gefressen wird, bevor er die Chance bekommt, zu wachsen, hat das Getreide u.A. das Gluten erfunden.

Und da Gluten tolle Backeigenschaften besitzt, hat der Mensch es in den letzten 100 Jahren durch Züchtung noch weiter „verbessert“. Und sich damit ins eigene Bein geschossen, denn Gluten ist durch seine molekulare Struktur sehr kompakt und schwer bis gar nicht verdaulich.

Die Gluten-Schnipsel, die übrig bleiben, greifen Dein Darmepithel an, genauer gesagt die Verbindung zwischen den Darmzellen [5][6]. Geht diese verloren, entstehen Löcher im Darm. Und da diese Gluten-Schnipsel dann auch in den Kreislauf eindringen können, und durch ihre reaktive Natur, kommt es im gesamten Körper zu Entzündungen.

Jedes Getreide hat ein Gluten-ähnliches Protein, im Hafer heißt es z.B. Hordenin. Diese sind zwar nicht so schädlich wie Gluten selbst, haben aber ähnliche Auswirkungen auf die Gesundheit.

2. Omega 6 Fettsäuren

Omega-6-Fettsäuren [15][20] sind mehrfach ungesättigte Fettsäuren, die vornehmlich in pflanzlichen Speiseölen (Sojaöl, Erdnussöl, Sonnenblumenöl, Distelöl) und fetten tierischen Produkten aus Massentierhaltung (Fleisch, Eier, Käse, Butter) vorkommen.

Sie werden im Körper zu entzündungsfördernden, hormon-ähnlichen Stoffen umgewandelt. Im Übermaß ist der Körper dadurch in einem permanenten Entzündungszustand.

Man kann sich nur auf zwei Arten vor ihnen schützen: Entweder, Du verzehrst keine/viel weniger von ihnen, oder mehr Omega-3-Fettsäuren, damit weniger entzündungsfördernde Stoffe hergestellt werden.

3. Lektine

Lektine [4][7][1] sind ebenfalls Speicherproteine in Pflanzen wie Getreide und Nachtschattengewächsen (Kartoffeln, Tomaten, Auberginen, …) mit dem Unterschied zu Gluten, dass sie Glykoproteine, also Proteine mit Zuckerketten, sind.

In der biochemischen Forschung werden sie verwendet, um Proteine zu verklumpen. Und genau das machen sie auch im Darm und später im Körper: Sie verkleistern Proteine und Zellen und machen sie so funktionsunfähig.

Das trifft sowohl für die Darmepithelzellen, als auch für Blutzellen, Blutgefäßzellen, und natürlich auch die Protein-Verbindungen zwischen Darmzellen zu. Zwar werden Lektine beim Kochprozess größtenteils zerstört, allerdings sind dieselben Lektine aus z.B. Weizen nach Verzehr noch im Blut nachweisbar. Sie gelangen also teilweise wirklich ins Blut und richten dort Unheil an. Und, wie gesagt, im Darm.

4. Fruktose

Fruktose taucht hier womöglich überraschend auf. Was jedoch nur die wenigsten wissen, ist, dass Fruchtzucker im Übermaß und ohne schützende Ballaststoffe, d.h. in allem Süßkram, das nicht Obst ist, sehr direkt im Darm eine Entzündungsreaktion verursacht [3][16]. Die Super-GAU-Mischung für den Darm ist übrigens Fruktose + Omega-6-Fettsäuren. Also Pommes und Cola zum Beispiel, oder Nutella (das tut auch mir im Herzen weh).

5. Nahrungsmittelallergien

Nahrungsmittelallergien dürfen hier natürlich nicht fehlen. Denn eine Allergie ist nichts Anderes als eine ausartende Immunreaktion, also Entzündung, auf einen Nahrungsbestandteil, der eigentlich als ungefährlich eingestuft werden sollte.

Hier würden wir Dir raten, zu beobachten, was Du gut verträgst und was nicht, und wenn nötig einen Allergietest beim Arzt machen zu lassen. Meist sind es unerwartete Nahrungsmittel wie z.B. Sesam oder Eier, auf die Du allergisch reagierst, ohne es zu merken. Die Folge sind chronische low-gradeinflammations, also schleichende Entzündungen.

6. Alkoholexzesse

Alkoholexzesse [21]: Alkohol greift nicht nur die Leber an, sondern auf dem Weg dorthin, nämlich im Darm, auch die Darmzellen. Und ist es einmal im Blut, entsteht auch dort eine systemische Entzündungsreaktion. Die Effekte treten ab einer Dosis von 30g Alkohol auf, das entspricht 4 Vodka-Shots oder 2 Bier. Also lieber weniger oft und weniger viel Alkohol trinken, wenn es um Deinen Darm geht 🙂

Verarbeitetes Fleisch

7. Verarbeitetes Fleisch enthält sogenannte AGEs, zu Deutsch alkylierte Verzuckerungsprodukte. Sie entstehen bei der Verarbeitung von Fleisch, also die klassische Salami, Schinken, Leberkäs‘. Bei unverarbeitetem Fleisch (Steaks, Gulasch, Innereien) sind sie nicht vorzufinden.

AGEs haben ähnlich wie Lektine die Eigenschaft, Proteine anzugreifen und zu verklumpen [17][18]. Und bei der Verdauung sind natürlich die Darmzellen erster Angriffspunkt für solche Stoffe.

AGEs sind wohl auch der Hauptgrund, warum verarbeitetes, aber nicht unverarbeitetes Fleisch, mit Darmkrebs in Verbindung gebracht wird [22].

8. Transfette

Transfette entstehen bei der industriellen Verarbeitung oder hohen Erhitzung von mehrfach ungesättigten Fettsäuren. Diese mutierten Fettsäuren werden in industriell erzeugten Nahrungsmitteln fast überall zugesetzt (Rapsöl und Sonnenblumenöl) oder dienen als Grundlage für Frittierfett (Sonnenblumenöl, Sojaöl). Achja, und Margarine.

Aber diese ist für Dich als ernährungsbewussten Menschen sowieso kein Thema 🙂 ein Grund, warum Transfette so verteufelt werden, sind die systemischen (also im gesamten Körper) entstehenden Entzündungen [13][9].

9. Chemische Zusatzstoffe

Chemische Zusatzstoffe sind ebenfalls körperfremd und erst seit wenigen Jahren in der menschlichen Ernährung anzutreffen. Und wo man hinsieht, ziehen körperfremde Stoffe negative Folgen nach sich. Im Nahrungsmittel haben sie vielleicht tolle Eigenschaften wie besserer Geschmack, schönere Farbe oder längere Haltbarkeit.

Aber wo es dem Lebensmittelchemiker an der Stelle nützt, schadet es dem Darm, besonders der Darmflora. Beispiele gefällig? Saccharin, ein geläufiger Süßstoff, verändert die Darmflora [12]. Johannesbrotkernmehl, ein Verdickungsmittel, ruft Allergien hervor.

Modifizierte Stärken verursachen Entzündungen und verändern die Darmflora. Gleiches gilt für unnatürliche Farbstoffe in Cola und Bonbons und Benzolverbindungen, die Lebensmittel haltbarer machen, aber Deine Darmbakterien reihenweise töten.

Also bist Du mit einer natürlichen Ernährung mit unverarbeiteten Nahrungsmitteln wirklich am besten beraten.

10. Casein

Casein bekommt einen extra Punkt, obwohl Nahrungsmittelallergien schon genannt wurden. Casein ist das unlösliche Milchprotein, das natürlich in Milch und in Käseprodukten vorkommt. Es ist das Hauptallergen in der Milch, und mehr Menschen vertragen dieses Protein nicht so gut, wie sie vielleicht meinen. Also ist es auch hier am besten, zu testen, ob Du es verträgst.

11. Ergänzung Antibiotika

Ergänzung: Antibiotika. Antibiotika sind einer DER Zugewinne für die Menschheit durch die Pharmazie. Dank ihnen könnte die Pest heute gar nicht mehr ausbrechen. Jedoch werden Antibiotika von Ärzten auch verschrieben, wenn gar keine bakterielle Infektion vorliegt.

Antibiotika töten nicht nur die vermeintlichen Krankheitserreger, sondern auch die für Dich lebenswichtigen guten Darmbakterien. Es entsteht ein Loch im Darm, das nach der Antibiotika-Therapie von schlechten Darmbakterien oder, noch schlimmer, wirklich schlimmen Krankheitserregern besiedelt wird. Und eine erneute Therapie notwendig macht. Ein Teufelskreis…

So schützt Du Deinen Darm

Meide die genannten Lebensmittel/-inhaltsstoffe, und Du wirst Deinem Darm einen großen Gefallen tun. Ich wollte Dir nicht einfach eine Liste von zu meidenden Nahrungsmitteln hinknallen, sondern ich möchte, dass Du verstehst, warum sie zu meiden sind. Daher auch die ausführliche Erklärung im Kapitel zuvor.

Fazit – So optimierst Du Deinen Darm

Der Darm ist neben gutem Schlaf der wohl wichtigste Grundpfeiler unserer Gesundheit. Wir hoffen, dass wir Dir heute erklären konnten, wie ein gesunder Darm funktioniert und warum Du dich gut um ihn kümmern solltest. Und wie Du es kannst, indem Du Stoffe und Nahrungsmittel meidest, die ihm nachweislich schaden. Im nächsten Artikel behandeln wir dann die Nahrungsmittel, die dem Darm sanieren oder ihm wieder auf die Sprünge helfen, wenn nicht alles ganz rund läuft.

Darüber hinaus werden wir Dir – weil das Immunsystem größtenteils im Darm sitzt – neben diesen Nahrungsmitteln wertvolle Tipps geben, wie Du Dein Immunsystem unbesiegbar machst.

Du hast richtig gehört! Ein funktionierendes Immunsystem kann von Krankheitserregern fast nicht geknackt werden. Wir hoffen, dass Du damit dieses Jahr gesund durch den Winter kommst, ohne die alljährliche Grippewelle. Und dieses Wissen, wenn möglich, Dein Leben lang umsetzen kannst. 🙂

PS: Ein persönlicher Dank geht noch an Giulia Enders, die mit ihrem Bestseller „Darm mit Charme“ Millionen Deutschen die Augen geöffnet hat und neben dem vermittelten Wissen dazu beigetragen hat, dass der Darm nicht mehr das Tabu-Thema ist, dass es einmal war.

 

Guarner, Francisco; Malagelada, Juan-R (2003): Gut flora in health and disease. In: Lancet (London, England) 361 (9356), S. 512–519. DOI: 10.1016/S0140-6736(03)12489-0.

Genz, Harald; Mutius, Erika von; Brandtzaeg, Per; Cookson, William O.; Autenrieth, Ingo B.; Haller, Dirk (2011): Gene-environment interactions in chronic inflammatory disease. In: Nat Immunol 12 (4), S. 273–277. DOI: 10.1038/ni0411-273.

Giulia Enders: Darm mit Charme: Alles über ein unterschätztes Organ Taschenbuch – 3. März 2014

[1] Falth-Magnusson, K.; Magnusson, K. E. (1995): Elevated levels of serum antibodies to the lectin wheat germ agglutinin in celiac children lend support to the gluten-lectin theory of celiac disease. In: Pediatric allergy and immunology : official publication of the European Society of Pediatric Allergy and Immunology 6 (2), S. 98–102.

[2] Mowat, Allan M.; Agace, William W. (2014): Regional specialization within the intestinal immune system. In: Nature reviews. Immunology 14 (10), S. 667–685. DOI: 10.1038/nri3738.

[3] Rahman, Khalidur; Desai, Chirayu; Iyer, Smita S.; Thorn, Natalie E.; Kumar, Pradeep; Liu, Yunshan et al. (2016): Loss of Junctional Adhesion Molecule A Promotes Severe Steatohepatitis in Mice on a Diet High in Saturated Fat, Fructose, and Cholesterol. In: Gastroenterology 151 (4), 733-746.e12. DOI: 10.1053/j.gastro.2016.06.022.

[4] Pusztai, A.; Ewen, S. W.; Grant, G.; Brown, D. S.; Stewart, J. C.; Peumans, W. J. et al. (1993): Antinutritive effects of wheat-germ agglutinin and other N-acetylglucosamine-specific lectins. In: The British journal of nutrition 70 (1), S. 313–321.

[5] Doherty, M.; Barry, R. E. (1981): Gluten-induced mucosal changes in subjects without overt small-bowel disease. In: Lancet (London, England) 1 (8219), S. 517–520.

[6] Biesiekierski, Jessica R.; Newnham, Evan D.; Irving, Peter M.; Barrett, Jacqueline S.; Haines, Melissa; Doecke, James D. et al. (2011): Gluten causes gastrointestinal symptoms in subjects without celiac disease: a double-blind randomized placebo-controlled trial. In: The American journal of gastroenterology 106 (3), 508-14; quiz 515. DOI: 10.1038/ajg.2010.487.

[7] Katsuya Miyake et al (2007): „Lectin-Based Food Poisoning: A New Mechanism of Protein Toxicity“ Plos, 2007. http://dx.doi.org/10.1371/journal.pone.0000687

[8] Barrett, E., Ross, R.P., O’Toole, P.W., Fitzgerald, G.F. and Stanton, C. (2012), γ-Aminobutyric acid production by culturable bacteria from the human intestine. J Appl Microbiol, 113: 411–417. doi:10.1111/j.1365-2672.2012.05344.x

[9] Lopez-Garcia, Esther; Schulze, Matthias B.; Meigs, James B.; Manson, JoAnn E.; Rifai, Nader; Stampfer, Meir J. et al. (2005): Consumption of trans fatty acids is related to plasma biomarkers of inflammation and endothelial dysfunction. In: The Journal of nutrition 135 (3), S. 562–566.

[10] LeBlanc, Jean Guy; Milani, Christian; Giori, Graciela Savoy de; Sesma, Fernando; van Sinderen, Douwe; Ventura, Marco (2013): Bacteria as vitamin suppliers to their host: a gut microbiota perspective. In: Current opinion in biotechnology 24 (2), S. 160–168. DOI: 10.1016/j.copbio.2012.08.005.

[11] Turnbaugh, Peter J.; Ley, Ruth E.; Mahowald, Michael A.; Magrini, Vincent; Mardis, Elaine R.; Gordon, Jeffrey I. (2006): An obesity-associated gut microbiome with increased capacity for energy harvest. In: Nature 444 (7122), S. 1027–1031. DOI: 10.1038/nature05414.

[12] Abou-Donia, Mohamed B.; El-Masry, Eman M.; Abdel-Rahman, Ali A.; McLendon, Roger E.; Schiffman, Susan S. (2008): Splenda alters gut microflora and increases intestinal p-glycoprotein and cytochrome p-450 in male rats. In: Journal of toxicology and environmental health. Part A 71 (21), S. 1415–1429. DOI: 10.1080/15287390802328630.

[13] Iwata, Naomi G.; Pham, Matilda; Rizzo, Norma O.; Cheng, Andrew M.; Maloney, Ezekiel; Kim, Francis (2011): Trans fatty acids induce vascular inflammation and reduce vascular nitric oxide production in endothelial cells. In: PloS one 6 (12), e29600. DOI: 10.1371/journal.pone.0029600.

[14] Leon, Lauren M. de; Watson, James B.; Kelly, Colleen R. (2013): Transient flare of ulcerative colitis after fecal microbiota transplantation for recurrent Clostridium difficile infection. In: Clinical gastroenterology and hepatology : the official clinical practice journal of the American Gastroenterological Association 11 (8), S. 1036–1038. DOI: 10.1016/j.cgh.2013.04.045.

[15] Pusceddu, Matteo M.; El Aidy, Sahar; Crispie, Fiona; O’Sullivan, Orla; Cotter, Paul; Stanton, Catherine et al. (2015): N-3 Polyunsaturated Fatty Acids (PUFAs) Reverse the Impact of Early-Life Stress on the Gut Microbiota. In: PloS one 10 (10), e0139721. DOI: 10.1371/journal.pone.0139721.

[16] Kavanagh, K., Wylie, A. T., Tucker, K. L., Hamp, T. J., Gharaibeh, R. Z., Fodor, A. A., & Cullen, J. M. (2013). Dietary fructose induces endotoxemia and hepatic injury in calorically controlled primates. The American Journal of Clinical Nutrition98(2), 349–357. http://doi.org/10.3945/ajcn.112.057331

[17] Uribarri, Jaime; Woodruff, Sandra; Goodman, Susan; Cai, Weijing; Chen, Xue; Pyzik, Renata et al. (2010): Advanced glycation end products in foods and a practical guide to their reduction in the diet. In: Journal of the American Dietetic Association 110 (6), 911-16.e12. DOI: 10.1016/j.jada.2010.03.018.

[18] Basta, Giuseppina; Schmidt, Ann Marie; Caterina, Raffaele de (2004): Advanced glycation end products and vascular inflammation: implications for accelerated atherosclerosis in diabetes. In: Cardiovascular research 63 (4), S. 582–592. DOI: 10.1016/j.cardiores.2004.05.001.

[19] Parnell, Jill A.; Reimer, Raylene A. (2012): Prebiotic fiber modulation of the gut microbiota improves risk factors for obesity and the metabolic syndrome. In: Gut microbes 3 (1), S. 29–34. DOI: 10.4161/gmic.19246.

[20] A.P. Simopoulos(2007): Evolutionary aspects of diet, the omega-6/omega-3 ratio and genetic variation: nutritional implications for chronic diseases, Volume 60, Issue 9, November 2006, Pages 502–507

[21] Oliveira, Andreia; Rodriguez-Artalejo, Fernando; Lopes, Carla (2010): Alcohol intake and systemic markers of inflammation–shape of the association according to sex and body mass index. In: Alcohol and alcoholism (Oxford, Oxfordshire) 45 (2), S. 119–125. DOI: 10.1093/alcalc/agp092.

[22] Cross AJ, Leitzmann MF, Gail MH, Hollenbeck AR, Schatzkin A, Sinha R (2007) A Prospective Study of Red and Processed Meat Intake in Relation to Cancer Risk. PLoS Med 4(12): e325. doi:10.1371/journal.pmed.0040325